|
Die Mutterkirche St. Georg in Mosnang lässt im romanischen Tuffsteinturm ihr hohes Alter erkennen, überrascht aber die Besucher durch einen weiträumigen Barock von herbstlicher Schönheit.
"Masinang" wird 854 erstmals erwähnt. Schon damals oder wenig später könnte - den Ausgrabungen zufolge - ein Gotteshaus bestanden haben. Im Hochmittelalter wurde eine romanische Kirche gebaut, von der sich der Turm erhalten hat.
|
 |
1217 erscheint urkundlich ein Magister Ulrich, Pfarrer in Mosnang. 1275 erbrachte die Kirche Mosnang einen päpstlichen Zehnten für einen Kreuzzug. 1382, d.h. unter Bischof Heinrich III. von Brandis, wurde die Kirche Mosnang dem eben damals in Münster Konstanz errichteten Altar der Heiligen Magdalena, Lazarus, Martha und Maximin inkorporiert. 1411 steuerte der Leutpriester Georgius 14 Pfund Pfennig an die 'Gloggen'. 1463, am Sonntag nach St. Peter und Paul, fand - wohl nach dem spätgotischen Neubau des Chors - die Neuweihe der Altäre statt; Hochaltar: Georg, Sebastian, Antonius Eremita und Verena; linker Seitenaltar: Maria, Heiligkreuz, Christophorus, Martin und Barbara; rechter Seitenaltar: Theodul, Michael und Hieronymus; Altar vor den Chorstufen: Agatha und Katharina. 1466 Aufstellung eines Opferstocks zugunsten der St. Georgswallfahrt. 1497 Stiftung einer Kaplaneipfrund am Muttergottesaltar. 1528 hielt auch in Mosnang die Reformation Einzug, wurde aber nach 1531 wieder rückgängig gemacht. 1565-69 verheerende Pestseuche.
Nach einer Vergrösserung der Kirche (wohl Verschiebung des Chorbogens nach Osten) fand am 30. September 1589 die Neuweihe des Hochaltars durch den Konstanzer Weihbischof Balthasar Wurer statt: Johannes d.T., Georg, Antonius, Blasius, Beat und Verena. In einem St. Galler Visitationsrezess von 1643 wird gefordert, dass der wohl damals erneuerte und auf den Hochalter gestellte Tabernakel innen und aussen zu bemalen und die alten Statuen zu verbrennen oder zu vergraben seien. Unter Pfarrer Melchior Räber wurde ein neues Pfarrhaus gebaut, das etwas näher bei der Kirche zu stehen kam. Bauher war das Domkapitel Konstanz, das in Mosnang noch immer die Patronatsrechte ausübte. 1670 mahnten die st.gallischen Visitatoren, einen neuen Taufstein anzuschaffen und den alten (Wand-)Tabernakel zu verdecken sowie das Turmdach zu erneuern. Am 17. August 1680 wurde die Kaplaneipfrund St.Joseph gestiftet, deren Altar zwei Jahre später von Bischof Franz Johann von Prasberg geweiht wurde. 1697 gelangte das Patronat der Pfarrkirche Mosnang durch Kauf der Herrschaft Tannegg an das Kloster Fischingen, das bis 1834 Mönche als Pfarrer einsetzte. Damals war Mosnang die einzige rein katholische Gemeinde im Toggenburg.
1731 wurde mit Ausnahme des Turms und der Umfassungsmauern des Chors die ganze Kirche erneuert. Pfarrer P. Josef Sax, zwischen 1726 und 1742 viermal Pfarrer in Mosnang, war die Seele des Neubaus. Seine tagebuchartigen Aufzeichnungen geben interessante Einblicke in die Organisation des Bauplatzes und in die rasante Arbeitsweise der Bauequipe. Im Winter wurden Steine aus dem Steinbruch Unterwinklen sowie 100 gefällte Tannen auf den Bauplatz geführt. Die Kirchgenossen leisteten Fronarbeit, die vor allem in Transport- und Handlangerdiensten bestanden und nach einem bestimmten Zeitplan erfolgten.
Am 29. Oktober 1737 fand die Neuweihe der Altäre durch Suffraganbischof Franz Johann Anton von Sirgenstein statt; Hochaltar: Georg, Johannes d.T. und Johannes Ev., Gallus und Idda; linker Seitenaltar: Maria Immakulata, Katharina und Barbara; rechter Seitenaltar: Joseph, Sebastian und Theodul. 1748 wurde Mosnang - wie alle andern Pfarreien im st.gallischen Territorium - der geistlichen Jurisdiktion der Abtei St.Gallen unterstellt. Die Kollatur und die niedere Gerichtsbarkeit blieben bei Fischingen. 1761 Bau der Friefhofkapelle an Stelle des Beinhauses. 1750 bzw. 1764 lösten sich die neugegründeten Pfarreien Libingen und Mühlrüti von der Mutterkirche Mosnang ab.
1796 bis 1799 fanden die Verlängerung und eine Neugestaltung des Kircheninnern unter Pfarrer P. Ambros Grob (in Mosnang 1794-1819) statt. 1890 bis 1892 erfolgte eine grosse Renovation im Sinne des Historismus nach Plänen von August Hardegger, St.Gallen: dunkler Aussenputz mit hellen Lisenen, farbige Kirchenfenster, Verzierung der unteren Emporenbrüstung, neuer Südeingang beim Josephusaltar, neuer Tabernakel.
1897 wurde die Kirche neu mit Schiefer eingedeckt. 1912/13 wurde der Bau einer doppelstöckigen Sakristei an der Südflanke des Chors vorgenommen. 1915 fand die Orgelreparatur durch Goll statt. 1937 gab es eine neue Turmuhr. 1945/46 fand die Innenrenovation des Chors statt. Es wurden spätgotische Wandmalereien aufgedeckt und restauriert. 1958/59 stand eine Gesamtrestaurierung an. Die historisierenden Eingriffe und Zutaten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurden rückgängig gemacht, bzw. ausgelöscht, um das barocke Raumklima wieder herzustellen: Abbruch der 1912 erstellten Südsakristei zugunsten einer unterirdischen Chorsakristei mit separatem Osteingang. Neue Vorhalle mit seitlichen Emporentreppen, neuer stollenartiger Verbindungsgang vom Chor in die Turmsakristei.
Im 1993/94 erneut eine Gesamtrestaurierung, diesmal durch Oskar Pekarek. Massnahmen: Dachstuhlverstärkung, Sicherung und teilweise Erneuerung der Gipsgewölbe, Wiederöffnung der alten Verbindung Chor-Turmsakristei, bzw. Schliessung des 1958 neu geschaffenen Stollens, Polychromie der Raumhülle und Stukkaturen nach Befund; neues Putzkleid.
Die Einweihung der restaurierten Kirche fand am 30. Oktober 1994 durch den St.Galler Bischof Otmar Mäder statt.